Einladung ins Patriarchat

Deutscher Ursprungstext
Originalfassung vor der musikalischen Umsetzung

[1]
Du warst [Kind]. ///
Er sah: [Echo]. ///
Nicht Tochter. Nicht Spiel. ///
Sondern: [Schmerzschnur], auf Spannung gehalten. ///
„Du bist nicht wie sie“, sagte er. ///
Er meinte: [Sei mein seelischer Wartungsdienst.] ///
Er meinte: [Trag meinen Frust wie Lippenstift.] ///
Er meinte: [Liebe mich da, wo meine Frau Nein sagt.] ///
Und du – warst [zwölf]. ///.

[2]
„[Lächel.]“ ///
[Klick.] ///
„[Heb das Kinn.]“ ///
[Klick.] ///
„Zeig, dass du willst.“ ///
Ich? Oder mein [Bild]? ///
Er fotografierte kein [Mädchen]. ///
Er [castete Gefälligkeit]. ///
Sah in dir: [Fleisch], das sich zur Gunst formt. ///
Nicht du warst schön – ///
die [Möglichkeit], dass andere es finden könnten. ///.

[3]
Er fuhr dich raus. ///
In sein [Draußen]. ///
Nicht Liebe. Nicht Alter. ///
Nur: [Vorsprung]. ///
Er nannte es [Beziehung]. ///
Und zeigte dann: [Preisetikett]. ///
[Zuhälter]. ///
Er: der Makler. ///
Du: das Angebot. ///
Deine Angst: [inklusive]. ///.

[4]
Klinik. ///
Versprochen: [Hilfe]. ///
Geliefert: [Zugriff]. ///
Ein Neurologe, der [Nähe] verordnete. ///
Ein Retter, der die Notwendigkeit erfand, ///
damit er [retten durfte]. ///
Retten bedeutete: [Besitz anmelden]. ///.

[5]
Der Oberarzt – ehrlicher. ///
„Strich wäre ein Weg.“ ///
Sein Blick: trocken wie Therapiepläne. ///
Sein Subtext: [Du bist ja schon unterwegs]. ///
Und du lerntest: ///
[Schmutz] ist nicht das, was du bist – ///
Sondern das, was [sie auf dich projizieren], ///
um sich [rein zu fühlen]. ///.

[6]
Neue Klinik. Neuer Täter. ///
Alter Code: ///
[„Therapeutisch betreut“ heißt nicht geschützt]. ///
Sondern: [zugänglich gemacht]. ///
Und als du zerbrachst – ///
verpassten sie dir [Etiketten]. ///
Nicht um zu helfen. ///
Sondern um dich [unglaubwürdig zu machen]. ///
Diagnosen als [diskursive Absicherung]. ///
Für ihn. ///.

[7]
Alles real. ///
Zu real, um [geglaubt zu werden]. ///
Denn [Wahrheit, die Männern schadet, ///
wird zur Hypothese erklärt]. ///
Und du? ///
Zur Mitverantwortlichen. ///
Zur [Komplizin deines eigenen Übergriffs]. ///.

[8]
Danach: Beziehung als Kompromiss mit dem Schweigen. ///
Du: [funktional]. ///
Nicht geliebt. Nur genutzt. ///
Und sie tanzte für ihn – ///
[deine Schwester], dein Körperbild. ///
Dein Mann: [Zuschauer]. ///
Du: [Kulisse]. ///.

[9]
SM. ///
Nicht aus [Lust]. ///
Sondern weil du glaubtest, ///
du [musst dich verfügbar machen]. ///
Du glaubtest: ///
[Was weh tut, ist wenigstens echt]. ///
[Was fesselt, ist wenigstens klar]. ///
Und Männer: [dürfen dich neu schreiben]. ///.

[10]
Und einer tat es. ///
Er schrieb nicht. ///
Er [überschrieb]. ///
Er nutzte die Leerstelle. ///
Und füllte sie – ///
nicht mit dir. ///
Sondern mit [seiner Vorstellung von dir]. ///
Ein Rebranding. ///
Kein Aufbruch. ///.

[11]
Heute. ///
Keine Stimme. ///
Ein Schnitt. ///
Keine Stärke. ///
Eine [Konsequenz]. ///
Keine Heldin. ///
Ein [Beweis]. ///.

Ich bin nicht mehr [Therapieprojekt]. ///
Nicht [Katharsis-Statistin]. ///
Nicht [Vaterersatz]. ///
Nicht [Triggerfantasie]. ///.

Ich bin [Bühne]. ///
Nicht für [Applaus]. ///
Sondern für [Rückgabe]. ///.

Ich bin der [Lärm nach Jahrzehnten Schweigen]. ///
Ich bin das [Nein], das nie Platz hatte. ///
Ich bin nicht eure [Diagnose]. ///
Ich bin nicht euer [Andenken]. ///
Ich bin nicht euer [Fall]. ///.

Seit 20 Jahren bin ich: ///
[unverfügbar]. ///
[unlesbar]. ///
[untragbar]. ///.

Ich bin: ///
Unverschämtheit als Lebenszeichen. ///.

© Ines alias Stella

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